Dresdner Morgenpost | 02.09.2002

Hools spielten Krieg und machten Jagd auf Polizei

Trostloses Derby trotz Rekordkulisse: Langeweile

von (Dirk Löpelt/Ronny Klein)

So schnell zieht in Dresden die "Normalität" ein. Das Stadtderby zwischen dem Dresdner SC und Dynamo war sportlich eine langweilige Nullnummer, wurde aber wieder einmal von Ranlalen überschattet.

Gastgeber DSC hatte im fremden Stadion auf den Ordnungsdienst der Schwarz-Gelben verzichtet. Das sollte sich rächen: Schon vor der Partie gab´s Ausschreitungen, stürmten hunderte sogenannte "C-Fans" ohne Karten ins Harbig-Stadion, überrannten Ordner und Polizei. Die wehrte sich, nahm mehrere Randalierer fest. Auch nach dem Spiel ging's weiter, spielten sich vorm Stadion regelrechte Schlachten ab, an denen über 1.000 Hooligans beteiligt waren, die Jagd auf die Polizei machten. Gesamtbilanz: 43 verletzte Polizisten, davon drei schwer und 13 Festnahmen.

Auch in den 90 Minuten herrschte eine giftige Atmosphäre, die schwarz-gelben Fans unter den (offiziell) 17.100 Zuschauern waren in der klaren Übermacht. Die Franke-Elf jedoch schien sich als Gast im eigenen Haus nicht so recht wohl zu fühlen. Angetrieben von den Rängen versuchten die Heidrich & Co. zwar, das Match zu bestimmen, ein ordentlicher Spielfluss kam aber nie zustande. "Alle waren wie gelähmt, das war kein Fußball", schimpfte nachher Dynamos Keeper Ignjac Kresic. Das lag allerdings auch an Schiri Frank Fleske (Schönow), der übertrieben kleinlich pfiff, um damit die Aggressivität zu unterbinden.

Dynamos größte Chancen waren eine Rückgabe von Robert Pietsch (der für den verletzten Schwanke spielte), die knapp neben's eigene DSC-Gehäuse ging (15.) und ein Kopfball-Aufsetzer von Frank Paulus (36.).

Die aufregendsde Szene: Als Volker Oppitz im Strafraum gegen DSC-Mittelfeldmann Robert Krause grätschte, pfiff Schiri Fleske zunächst. Elfer.
Nach einer Beratung mit seinem "Assi" nahm er den zurück, gab dafür Krause gelb wegen Schwalbe. "Wenn wir den Elfer kriegen, läuft's vielleicht anders. Aber auch so sind wir mit dem Punkt hochzufrieden. Und ich denke, auch Dynamo kann mit dem 0:0 leben", schätzte DSC-Libero Thomas Hoßmang ein.

Mit so viel Hass nicht gerechnet

von (rok/pi/dilo)

Vor einer Woche glich das Rudolf-Harbig-Stadion einem Tempel der Freude. Beim Gastspiel von Bayer Leverkusen wurden alle fleißigen Fluthelfer gefeiert. Nur fünf Tage später beim Stadt-Derby DSC gegen Dynamo (0:0) das ganze Gegenteil: Horden Vermummter jagten Ordner, prügelten und bewarfen Polizisten. Ergebnis: 43 verletzte Beamte mit Schnittwunden, Knöchelbrüchen, kaputten Händen.

"Solch geballtes Hass-Potential habe ich noch nie erlebt", resümierte Dresdens Polizei-Chef Joachim Klar. Nach dem Derby standen 120 Ordnungshüter etwa 1 500 brutalen Hooligans gegenüber. Klar: "Es flogen Pflastersteine, Eisenstangen, ja sogar Fahrräder. Im Notfall hätten die Beamten sogar schießen dürfen."

Um die Lage zu entschärfen, musste eine Hundertschaft aus dem Katastropheneinsatz in Freital abgezogen werden. Klar: "Die Randalierer waren organisiert, gingen ohne Rücksicht auf Polizisten los. Mit so viel Hass und Gewalt hatten wir nicht gerechnet. Das übertrifft die Bunte Repubhlik Neustadt um Längen."

Zudem erhebt der Polizei-Chef Vorwürfe gegen den gastgebenden DSC. Klar: "Nach Kassenschluss wurden Zuschauer ohne Karten eingelassen. Das waren genau die Leute, die später geprügelt haben. Das darf nicht passieren."

Am Abend nach dem Derby zerstörten Hools die DSC-Werbebanden im Harbig-Stadion. DSC-Manager Chris Waschke: "Wir rechnen mit einem Schaden von etwa 6 000 Euro."

Für beide Vereine dürfte die (Straßen)Schlacht ein Nachspiel haben. Einem Flutlicht-Derby im Sachsenpokal am 25. September (geplanter Anstoß 18:30 Uhr) will die Polizei nicht zustimmen. Intern haben sich beide Vereine so verständigt: Am letzten September-Mittwoch fungiert Dynamo als Gastgeber - eigentlich war der DSC als solcher ausgelost worden. DSC-Geschäftsführer Michael Krämer: "Ich hab' mich mit meinem Dynamo-Kollegen Volkmar Köster entsprechend geeinigt." Köster: "Wenn wir das Heimrecht haben, ist das sicher die beste Lösung für alle Beteiligten - obwohl auch wir nicht die absolute SIcherheit garantieren können. Wir werden unseren Ordnungsdienst einsetzen, könnten 180 Mann mobilisieren. Allerdings brauchen auch wir die Unterstützung der Polizei. Wir hätten beim Derby sicher einiges anders gemacht. Doch dem DSC waren 250 Beamte zugesagt worden - zum Spiel waren nur 120 da."

Der DSC bemüht sich intensiv, seine Heimspiele nicht mehr im Harbig-Stadion auszutragen. Waschke: "Wir können hier nicht die Sicherheit unserer Fans garantieren." Krämer: "Wir suchen für die Heimspiele ein Stadion. Sind dabei aber auf die Unterstützung der Stadt und des Sportamtes angewiesen." Bisher kam von dort Null Komma nix. Auch die fußballerische Zukunft des Steyer-Stadions wurde bisher nicht beantwortet.

Zum Sportlichen: Der DSC verpflichtet Probe-Stürmer Cem Efe nicht - kein Geld. Waschke: "Wir haben derzeit andere Probleme, müssen finanziell andere Prioritäten setzten."

Geld eingenommen werden soll beim heutigen Benefiz-Turnier auf der Bautzner Müllerwiese. 18 Uhr spielt dort die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft (mit Peter Ducke und Lothar Sippel) gegen Sachsenliga-Überflieger Budissa, gegen 18:35 Uhr der DSC gegen den OFC Neugersdorf. Anschließend folgen das kleine (19:15) und große Turnier-Finale (20:00). 16:30 Uhr fahren ab ElbePark zwei Busse für Dresdner Zuschauer los.

Dresdner Neuste Nachrichten | 02.09.2002

Ausschreitungen nach Dresdner Derby - 43 verletzte Polizisten

von (dpa/sn)

Nach dem Ortsderby der Fußball-Regionalligisten Dresdner SC und Dynamo Dresden kam es am Sonntagnachmittag zu gewalttätigen Ausschreitungen. Nach Polizeiangaben griffen nach Spielende in der Nähe des Rudolf-Harbig-Stadions 1500 gewaltbereite und zum Teil vermummte Dynamo-Anhänger 120 Polizisten an und bewarfen sie mit Steinen und Flaschen. Sogar Fahrräder wurden auf die Beamten geschleudert. Bilanz der Ausschreitungen: 13 festgenommene Dynamo- Fans und 43 verletzte Polizisten, drei davon schwer.

1500 Chaoten randalierten nach dem Schlusspfiff


von: th

Ein Augenzeuge sagte betroffen: "Das waren noch Kinder. Unglaublich, mit welchem Hass und welcher Aggressivität sie vorgegangen sind." Etwa 1500 gewaltbereite Chaoten zettelten nach dem Sachsenderby Randale an. Die Gewalttäter bewarfen Polizisten und Chemnitzer Fans mit Pflastersteinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern. Zwei Polizisten wurden verletzt, mehrere Polizeiautos von Steinen beschädigt.

Mit Baustellenzäunen versuchten die "Dynamo-Fans" am Lennè-Platz, den Chemnitzern den Weg zum Hauptbahnhof zu verbauen. Die Polizei schlug den Mob mit Wasserwerfern in die Flucht. Fünf Hundertschaften waren im Einsatz. Acht Chaoten wurden festgenommen. Sie befinden sich wieder auf freiem Fuß, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte.

Bereits beim Stadtderby zwischen dem Dresdner SC und Dynamo Dresden war es am 1. September zu schweren Ausschreitungen gekommen. Während die Polizei damals von den Chaoten überrannt wurde, blieb sie am Sonnabend weitgehend Herr der Lage.

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Neues Deutschland | 17.12.2002

Dynamo Dresden: Trauriger, deutscher Randale-Rekord

Straßenschlacht mit 2700 Fans - Vereinsführung: Distanzierung ohne Konsequenzen


von: Mark Stralau

Zum Regionalligaspiel Dynamo Dresden gegen den Chemnitzer FC (2:1) waren am Sonnabend 7300 Zuschauer gekommen. Davon beteiligten sich anschließend auf Straßen und Plätzen laut Polizeiangaben etwa 2700 an einer Randale, nämlich 1200 Chemnitzer Gäste-Fans plus 1500 Gastgeber-Fans. Das waren somit gut ein Drittel aller Stadion-Besucher – was einem neuen, traurigen deutschen Rekord gleich kommt.

Vor ein paar Wochen hatte man den Ost-Klassiker Dynamo Dresden - Chemnitzer FC (zu DDR-Zeiten: FC Karl-Marx-Stadt) noch wegen zu wenig einsatzbereiter Polizeikräfte absagen müssen. Diesmal wurden 500 Beamte eingesetzt, die dann acht Randalierer vorläufig festnahmen. Auf allen Seiten gab es Verletzte. Zwar nicht ganz so viel wie Anfang September bei Krawallen nach dem Stadtderby Dresdner SC - Dynamo Dresden – da waren es insgesamt rund 100 –, aber hier waren auch nur 120 Polizisten vor Ort, um das Schlimmste zu verhindern.
Schuldzuweisungen nach derartigen Vorfällen sind stets heikel. Verantwortungen lassen sich einfacher ausmachen. Da steht eindeutig der Verein in der Pflicht, denn die Randalierer kamen aus dem Stadion und nicht aus heiterem Himmel. Es verwundert deshalb im höchsten Maße, dass sich Dynamo Dresden öffentlich lediglich von den Hooligans distanziert und nicht endlich auch ein schlüssiges Anti-Gewaltkonzept ankündigt.

Noch am Freitagabend erging man sich bei der Präsidiums-Neuwahl in hoch tönenden Absichtserklärungen, einerseits neue Sponsoren gewinnen und andererseits Fans stärker in das Vereinsleben einbeziehen zu wollen. Doch neue Sponsoren dürften für ein solch chaotisches Umfeld kaum zu aquirieren sein. Sozialpädagogische Arbeit bei Dynamo Dresden ist somit nach einem erneuten Einnahmeminus von rund eine Million Euro in diesem Jahr eine Frage wirtschaftlichen Überlebens. Mit vernünftigen Forums-Beiträgen auf der vereinseigenen Internet-Seite (»Traurig, was da unter dem Gütesiegel Dynamo alles passiert! – Es kann einfach nicht sein, dass es im Deutschland des Jahres 2002 eine Stadt gibt, wo Gästefans unter Beifall und Gejohle durch die Stadt gejagt und zum Freiwild für alle die erklärt werden.«) wird es nicht getan sein.

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